Der christliche Glaube erfährt gegenwärtig in Ländern wie Südamerika, Afrika oder in den USA mehr Wachstum als in Deutschland. Doch nicht nur ein Rückgang, mehr eine Umwandlung ist in der christlichen Tradition in Deutschland zu beobachten – die Kirchen orientieren sich in vielem um und sind offen für neue Wege. Das gelingt nicht immer, doch die Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland bleiben im Gespräch und suchen die Annäherung in der Ökumene.
Atheismus, Buddhismus, Esoterik oder Naturreligionen – Suchende sind für viele Wege offen
Schon in der Epoche der Aufklärung Ende des 17.Jahrhunderts begann der starke Einfluss der Theologie zu bröckeln – um wieviel größer ist die Freiheit der Wahl erst Recht heute, und nicht selten werden verschiedene Aspekte mehrerer Religionen und Ideale untereinander vermischt. Umso schwieriger ist es für die Vertreter der christlichen Kirchen, die zum Einen den einzigen Heilungsweg für sich beanspruchen und zum Anderen durch Uneinigkeit innerhalb der Kirche abschreckend wirken, dennoch einladend für jene zu sein, die sich für religiöse Fragen interessieren und Orientierung suchen. Hinzu kommt, dass sich Kirchen und Gläubige nicht aus weltlichen Themen heraushalten können – die Menschen erwarten klare Stellungnahmen, mehr Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und Ehrlichkeit im Umgang mit Problemen, wie die letzten negativen Entwicklungen bei den Missbrauchsskandalen zeigte.
Positive Tendenzen – Menschen auf Orientierungssuche
Doch eine völlige Abkehr vom Christentum in Deutschland ist nicht zu befürchten. Zahlreichen Menschen bedeuten christliche Traditionen und Rituale wie Taufe, kirchliche Trauung und ein christliches Begräbnis noch immer viel und so halten sie an der Zugehörigkeit zur Kirche fest. Die Rolle des Christentums in sozialen Berufen nimmt ebenfalls eine große Rolle ein, ob in Pflegeheimen, Hospizen, in der Diakonie oder als Träger von Kindergärten und Behinderteneinrichtungen. Das Christentum ist für viele Gläubige ein Antrieb, um für Arme, Benachteiligte oder Minderheiten vorurteilsfrei da zu sein und wird durch Taten authentischer als durch Predigten – wenn Wort und Tat nicht übereinstimmen. Ehemalige Kirchenzugehörige, die wieder eintreten möchten, werden zu einem Gespräch und einem Gottesdienst eingeladen und offen in die Gemeinschaft wieder aufgenommen.
Prominente machen sich stark für das Christentum in Deutschland
Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte daran, dass Christen nicht zuletzt auch den Weg zu Wohlstand und Stärke in Deutschland geebnet haben und unterstützt das Engagement an Kirchentagen und in der Politik. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist praktizierender Katholik und pflegt Verbindungen zur Hebräischen Universität in Jerusalem. Bekennende prominente Christen können durch ihr Vorbild andere anstecken, es ihnen gleich zu tun.